Rektor a.D.

Geschäftsführer der SANOSON GmbH

Präsident der I.M.A.R.A.A.

Email: info(at)roland-haas.com

 
Dr. Roland Haas

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Statement Dr. Roland Haas, Präsident der I.M.A.R.A.A.
(International Music and Art Research Association Austria)

   
     

Die I.M.A.R.A.A. ist 2003 gegründet worden, um auch in Österreich die Kräfte zusammenzubringen, die an der Erforschung der Wirkung von Musik in Medizin und Bildung interessiert sind. Musik „einzusetzen“ ist eine alte Tradition in jeder Kultur – doch die Erkenntnisse moderner Wissenschaften geben ihr neue Bedeutung.
Gehirnforschung, Psychosomatik, Neuroimmunologie sind die einen, Psychologie, Lernforschung und Kreativitätsforschung die anderen Quellen.

Mozart ließ sich davon noch nichts träumen. Sein freies Leben für die Musik war ein kurzes. Doch eine Entdeckung aus der Intelligenzforschung hat uns vor Jahren den „Mozart-Effekt“ beschert. Dieser Begriff wird heute oft für alles verwendet, was Musik über den Konzertsaal und Kopfhörer hinaus noch bewirken soll.

Der Begriff ist leichtfertig und oberflächlich gewählt - aber die Blickrichtung ist richtig. Um zwischen den unterschiedlichen Wissenschaften und der Kunst herauszufinden, was wir mehr über Musik wissen müssen als Komponistennamen und Werke: dafür hat I.M.A.R.A.A. diesen internationalen Kongress im Musikland Österreich vorgeschlagen und aufklärerisch den Titel „Mozart&Science“ gewählt.

Kunst, insbesondere Musik ist auch immer funktional gewesen: sie wurde für Anlässe erfunden und gespielt. Musik für kultischen Tanz, Musik für Andacht, Musik für den Krieg, die Hymne eines Landes, Musik zum Trauern, Musik für einen Festakt.

Es gab auch Musik für Kranke, Musik für Kinder, es gab Musik für alle Anlässe des Lebens: in Europa und in allen Kulturen. Warum haben Menschen Musik erfunden und warum für Anlässe eingesetzt?

Wir begreifen heute durch fachwissenschaftliche Untersuchungen, dass die Musik den Menschen kulturell ebenso geformt hat, wie der Mensch Musik erfunden hat. Wir gehen sogar noch weiter – gewöhnliche Prinzipien der Musik wie Rhythmus, Klang, Melodie finden sich im Menschen und im Leben selber. Es ist spannend, daß Wissenschaft heute dieses Wechselverhältnis erkundet. Daneben ist es auch natürlich, wenn Traditionen enden oder sich global angleichen, dass sich das Erkenntnisinteresse auf den Menschen richtet: was ist denn in ihm selber, dass Musik so stark auf ihn wirkt?

Man könnte meinen, dass die Universitäten der Künste dringend an dieser Frage interessiert sind. Das sind nur wenige. Dafür sind Künstler hier ahnend oder neugierig vorangegangen: Carl Orff, der Komponist, mit seiner Rhythmik- und Bewegungserziehung, ebenso Zoltan Kodaly, dann Herbert von Karajan, Dirigent, mit der Gehirnforschung, Yehudi Menhuin, Violinist, mit seinem Sozialen Musizieren, heute sind es z.B. Sir Simon Rattle, Dirigent, mit künstlerischer Jugendarbeit (Rhythm is it), Daniel Barenboim, Dirigent, mit frühkindlicher Musikerziehung (Musikkindergarten), Mickey Hart, Schlagzeuger der legendären Greatful Dead, mit Trommeltherapie oder Popmusiker wie die Scorpions in Deutschland, die die Nordhoff-Robbins-Musiktherapie unterstützen.

Wir fragen heute wieder: Musik heilt – aber wie? Musik hilft – warum, wann und wie? Musik bringt Menschen ein soziales und fühlendes Verständnis – aber warum ist das so und wie entsteht es?
Auf diese Fragen geben jetzt Biologie, Pädagogik, Psychologie, Mathematik, Philosophie, Physik, Medizin und Musik neue Antworten.

Bisher hat sich jedes Fach mit diesen Fragen für sich beschäftigt – wir laden alle im Mozartjahr zu einem Dialog nach Baden bei Wien ein. Denn die Antwort auf die Frage z.B. nach der Wirkung von Musik kann nicht nur das Interesse einzelner Fachwissenschaften sein.

Wir – I.M.A.R.A.A.- wollen diese kulturelle Kraft der Kunst im Alltagsleben sinnvoll und bewusst gebraucht sehen: im Krankenhaus, in den Schulen, in der Kleinkinderziehung, beim Lernen, in der Freizeitaktivität von jungen und alten Menschen, im Altenheim, im Arbeits- und im Alltagsleben.

Wolfgang Amadeus Mozart, dessen 250. Geburtstag wir feiern, hat musikgeschichtlich und kulturgeschichtlich einen großen Anteil daran, dass die Sprache der Musik zu einem inneren Widerhall im Menschen geworden ist. Er hat nicht nur für die Bühne und den Konzertsaal geschrieben, sondern letztlich für das Gemüt und den Körper des Menschen. Dass und wie dies zutrifft können wir erst heute z. B. mit Untersuchungen der Gehirnforschung und der Chronobiologie feststellen. Somit hoffen wir mit dem Kongress Mozart&Science einen Erkenntnis- aber auch einen Anwendungsbeitrag im Österreichischen Mozartjahr für Österreich und die internationale Debatte über die Musikwirkung zu leisten.