Die
I.M.A.R.A.A.
ist 2003 gegründet worden, um auch in Österreich die Kräfte
zusammenzubringen, die an der Erforschung der Wirkung von Musik in Medizin
und Bildung interessiert sind. Musik „einzusetzen“ ist eine
alte Tradition in jeder Kultur – doch die Erkenntnisse moderner
Wissenschaften geben ihr neue Bedeutung.
Gehirnforschung, Psychosomatik, Neuroimmunologie sind die einen, Psychologie,
Lernforschung und Kreativitätsforschung die anderen Quellen.
Mozart ließ sich davon noch nichts träumen. Sein freies Leben
für die Musik war ein kurzes. Doch eine Entdeckung aus der Intelligenzforschung
hat uns vor Jahren den „Mozart-Effekt“ beschert. Dieser Begriff
wird heute oft für alles verwendet, was Musik über den Konzertsaal
und Kopfhörer hinaus noch bewirken soll.
Der Begriff ist leichtfertig und oberflächlich gewählt - aber
die Blickrichtung ist richtig. Um zwischen den unterschiedlichen Wissenschaften
und der Kunst herauszufinden, was wir mehr über Musik wissen müssen
als Komponistennamen und Werke: dafür hat I.M.A.R.A.A. diesen internationalen
Kongress im Musikland Österreich vorgeschlagen und aufklärerisch
den Titel „Mozart&Science“
gewählt.
Kunst, insbesondere Musik ist auch immer funktional gewesen: sie wurde
für Anlässe erfunden und gespielt. Musik für kultischen
Tanz, Musik für Andacht, Musik für den Krieg, die Hymne eines
Landes, Musik zum Trauern, Musik für einen Festakt.
Es gab auch Musik für Kranke, Musik für Kinder, es gab Musik
für alle Anlässe des Lebens: in Europa und in allen Kulturen.
Warum haben Menschen Musik erfunden und warum für Anlässe eingesetzt?
Wir begreifen heute durch fachwissenschaftliche Untersuchungen, dass die
Musik den Menschen kulturell ebenso geformt hat, wie der Mensch Musik
erfunden hat. Wir gehen sogar noch weiter – gewöhnliche Prinzipien
der Musik wie Rhythmus, Klang, Melodie finden sich im Menschen und im
Leben selber. Es ist spannend, daß Wissenschaft heute dieses Wechselverhältnis
erkundet. Daneben ist es auch natürlich, wenn Traditionen enden oder
sich global angleichen, dass sich das Erkenntnisinteresse auf den Menschen
richtet: was ist denn in ihm selber, dass Musik so stark auf ihn wirkt?
Man könnte meinen, dass die Universitäten der Künste dringend
an dieser Frage interessiert sind. Das sind nur wenige. Dafür sind
Künstler hier ahnend oder neugierig vorangegangen: Carl Orff, der
Komponist, mit seiner Rhythmik- und Bewegungserziehung, ebenso Zoltan
Kodaly, dann Herbert von Karajan, Dirigent, mit der Gehirnforschung, Yehudi
Menhuin, Violinist, mit seinem Sozialen Musizieren, heute sind es z.B.
Sir Simon Rattle, Dirigent, mit künstlerischer Jugendarbeit (Rhythm
is it), Daniel Barenboim, Dirigent, mit frühkindlicher Musikerziehung
(Musikkindergarten), Mickey Hart, Schlagzeuger der legendären Greatful
Dead, mit Trommeltherapie oder Popmusiker wie die Scorpions in Deutschland,
die die Nordhoff-Robbins-Musiktherapie unterstützen.
Wir fragen heute wieder: Musik heilt – aber wie? Musik hilft –
warum, wann und wie? Musik bringt Menschen ein soziales und fühlendes
Verständnis – aber warum ist das so und wie entsteht es?
Auf diese Fragen geben jetzt Biologie, Pädagogik, Psychologie, Mathematik,
Philosophie, Physik, Medizin und Musik neue Antworten.
Bisher hat sich jedes Fach mit diesen Fragen für sich beschäftigt
– wir laden alle im Mozartjahr zu einem Dialog nach Baden bei Wien
ein. Denn die Antwort auf die Frage z.B. nach der Wirkung von Musik kann
nicht nur das Interesse einzelner Fachwissenschaften sein.
Wir – I.M.A.R.A.A.- wollen diese kulturelle Kraft der Kunst im Alltagsleben
sinnvoll und bewusst gebraucht sehen: im Krankenhaus, in den Schulen,
in der Kleinkinderziehung, beim Lernen, in der Freizeitaktivität
von jungen und alten Menschen, im Altenheim, im Arbeits- und im Alltagsleben.
Wolfgang Amadeus Mozart, dessen 250. Geburtstag wir feiern, hat musikgeschichtlich
und kulturgeschichtlich einen großen Anteil daran, dass die Sprache
der Musik zu einem inneren Widerhall im Menschen geworden ist. Er hat
nicht nur für die Bühne und den Konzertsaal geschrieben, sondern
letztlich für das Gemüt und den Körper des Menschen. Dass
und wie dies zutrifft können wir erst heute z. B. mit Untersuchungen
der Gehirnforschung und der Chronobiologie feststellen. Somit hoffen wir
mit dem Kongress Mozart&Science einen Erkenntnis- aber auch einen
Anwendungsbeitrag im Österreichischen Mozartjahr für Österreich
und die internationale Debatte über die Musikwirkung zu leisten.
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