Sehr
geehrte Damen, sehr geehrte Herren,
als Rektor der Universität Mozarteum mit der Abteilung Polyästhetik
und Bildung im Institut für Musikwissenschaft und fächerübergreifende
Forschung wie als vertraglicher Partner der Internationalen Gesellschaft
für Polyästhetische Erziehung darf ich Sie hier als Repräsentant
und Hausherr unserer universitären Gemeinschaft sehr herzlich zum
20. Symposion unter dem Titel Bildung Kunst und Kontemplation –
Kultur und Musik zwischen globalem Aktionismus und Pseudo-Esoterik begrüßen.
Dieser
Gruß gilt den Gästen in Salzburg, hier dem Vizepräsidenten
Prof. Dr. Lech Kalago, den Altvizepräsidenten Prof. Dr. Hanan Bruen
und Prof. Dr. Claus Thomas wie den Teilnehmern aus Japan, Spanien, England,
Israel, Polen, Deutschland, Portugal, Niederlande, Bulgarien, Slowakei
und Ungarn.
Dieser
Gruss gilt den Gästen aus Salzburg und Österreich, die heute
und bis Dienstag Teilnehmer und Zuhörer dieses Symposiums sein werden,
darunter Frau Mag. Liegle, Gemeinderätin in Salzburg.Als Rektor danke
ich für die Initiative zu diesem Symposium den Mitarbeitern der Universität,
hier besonders und stellvertretend dem Altpräsidenten und Emeritus
Prof. Dr. Wolfgang Roscher und seiner Mitarbeiterin, der Präsidentin
Dr. Michaela Schwarzbauer.
Über
Gruß und Dank hinaus erlauben Sie mir ein paar persönliche
Worte zum Symposion und seinen Protagonisten.
Als
ich mich vor etlichen Jahren anschickte, noch von Stuttgart aus, zusammen
mit meinen tibetischen Partnern das World Festival of Sacred Music in
die Welt zu bringen, führte mich meine Suche nach einem möglichen
Platz für Europa auch nach Salzburg, die zweifellos als Musikstadt
einen überragenden internationalen Ruf hat.
Es gab hier etliche Gespräche, die mich endlich nach Prag führten,
auf das Forum 2000, das Prof. Elie Wiesel für den Staatspräsidenten
Vaclav Havel dort ausrichtete.
Ich traf Raimondo Panikkar, sprach mit ihm über das Projekt und er
verwies mich in Salzburg an Prof. Wolfgang Roscher.
So begann, ganz jenseits von irgendeiner Idee für mich an das Mozarteum
eine Verbindung von den Köpfen und Herzen aus, die sich für
mich mit diesem 20. Symposium dahin aktualisiert, dass Raimondo Pannikar
mit uns sein wird.
Ebenso freue ich mich, über die Teilnahme von Prof. Andor Izsak aus
Hannover, der seit Jahren das Europäische Zentrum für Jüdische
Musik an der Musikhochschule in Hannover aufbaut und nun wieder eine erste
Kantorenausbildung in Deutschland etablieren konnte.
Auch ihn lernte ich über dieses World Festival of Sacred Musik kennen
und auch er ist mit uns in diesem Symposium.Nun, das Festival hat zwar
inzwischen in Los Angeles, Capetown, Bangalore, Chicago, Vancouver und
New York, auch in Korea stattgefunden und wird jetzt, dieser Tage in Hiroshima
stattfinden, doch Salzburg hat sich als Platz für dieses Ereignis
nicht ergeben.
Doch aber Berlin und Potsdam im Dezember diesen Jahres – dafür
bin ich nun in Salzburg. So gehen die Lebenswege.Das Festival folgt dem
Impuls des 14. Dalai Lama der Tibeter, Tenzin Gyatso, und seines Beauftragten,
dem Ehrenabt Lama Doboom Tulku in Delhi, zu Beginn des neuen Millenniums
ein Signal zu setzen in Form einer Einladung an die Religionen der Welt,
sich in der Musik zu treffen.
Einladung, dieses Jahrtausendereignis unserer Zeitrechnung zu begehen,
gab es viele, auch gute Gründe, die nicht zuletzt Samuel Huntington
mit seiner Publikation „The Clash of Civilasations“ aufgezählt
hatte.
Ein Blick in die Geschichte der Konflikte des zurückliegenden Jahrhunderts
mahnte überdies, dass es angezeigt sein könnte, mit menschlichem
Geist andere Wege zu suchen als jene, die wir aus den Geschichtsbüchern
bitter erinnern müssen.Der Vertriebene ruft zu einem Dialog auf,
aus einer Lage der politischen Schwäche: er macht daraus eine Tugend,
nicht den Hass zu nähren, nicht auf Abgrenzung und Rache zu sinnen,
sondern auch den Peinigern und Besetzern im Grunde friedlich und offen
entgegenzutreten.
Er ruft zur Akzeptanz und Wertschätzung der globalen Vielfalt und
der Eigenheiten auf. Auch das ist uns nicht fremd – in Salzburg
erinnert man die Vertreibung der Protestanten und fast ein jeder –
ich auch – kann in der eigenen Familiengeschichte die Konflikte
der Theologien sehen und erinnern. Die Sehnsucht und Suche des Menschen
nach Transzendenz seines eigenen materiellen Daseins, genauer seiner Wahrnehmung
davon, ist geblieben.
Wer gibt ihr eine Heimstatt, Form und Ausdruck?
Wir kennen unsere Europäischen Einrichtungen, die Kirchen, die dieses
seit langem tun. Unser missionarischer Eifer religiöser und politischer
Art hat uns letztlich global mit vielen anderen Einrichtungen anderer
Kulturen konfrontiert – Kirchen, Religionen, Bewegungen - die heute
aber direkt bei uns sind und deren Konzepte wir nicht leichthin und nicht
auf die alte Art behandeln können.Eine der Formen, dieser Sehnsucht
Ausdruck, Tradition und Sozietät zu geben, ist immer und überall
die Musik gewesen. Sie stellt selber eine Form der Transzendenz unseres
normalen materiellen Daseins dar, vielleicht besser gesagt, ein anderes
Sein, das sich in unserem gesellschaftlichen Wertesystem immer wieder
neu einen Platz erobern muss.
Heute wissen wir sogar auch materiell besser, was Töne und Klänge
in unserem System der Hirnbotenstoffe, der Hormone und der unterschiedlichen
Körperzyklen bewirken, und wir verstehen neben aller Kulturgeschichte
besser, warum Musik immer die zentrale „Droge“ oder das Kultische
Mittel war, für Aufgaben des Gemeinschaftslebens, der individuellen
wie kollektiven Gefühle, der Entrückung oder des öffentlichen
Auftretens zur Verfügung zu taugen.Die Musik selber ist eine Form
des Seins, einfach, weil es der Mensch gelernt hat, sich mit Ihren Mitteln
zu stimulieren und in Zustände zu versetzen.
Ihr ästhetischer Apparat, so groß, wie in der Welt Musik erklingt,
erlaubt uns heute jede Deklination und Konjunktion bereits vorhandener
und daraus neu zu schöpfender Formen.
Ungemein groß sind die Annahmen und Beschreibungen über Sinn
und Zweck dieser menschlichen Tätigkeit - je nach Kultur und Virtuosität
des oder der Ausübenden.Wenn uns die globale Kommunikation soviel
Überblick erlaubt, ist sicher die Frage gestatten, wie wir dieses
anthropologische Phänomen der Musik und ihrer Ästhetik einordnen
wollen.Ich selber verstehe diese historische Situation als eine der Relativierung
ästhetischer Konzepte der Kulturen hinsichtlich der Musik und Kunst,
zugleich eine Verschärfung der Erkenntnisse über das eigene
kulturelle Konzept.
Unbestritten, wie eng wir unsere eigene Sozialisation an diese auch gefühlige
Sprache binden – und wir können dieses gefühlige heute
teils schon physio-psychologisch beschreiben.
Unbestritten, wie sehr die gefühlige Musik auch im Konfliktfall wirkt
oder benutzt wird, um hier noch mehr Effekte zu erreichen. Sei es als
Militärmusik aller Zeitalter oder als Selbststimulanz des physio-psychischen
Apparats. Musik ist in dieser Weise benutzbar und daher im Einsatz, in
der Bützung, wenn sie so wollen, auch gefährlich oder auch segensreich.
Erst der globale Blick, das weitere Konzept lässt uns hier auch die
eigene Relativität erkennen.
Wir haben keine Botschaft, außer, dass wir sehen, eine Botschaft
haben zu wollen.
Hier kann Einsicht wachsen. Es ist keine Einsicht etwa in die Dekonstruktion
unseres Konzeptes von Musik, sondern- so finde ich – eher eine beglückende
Einsicht in das anthropologische Faktum, dass es Menschen so machen, überall,
weltweit.
Das kann Musik von Ideologie entlasten, der einer ontologischen ästhetischen
Kritik ebenso wie einer kulturell gewachsenen ästhetischen Konzeption.
Es macht aber den Blick frei auf das, womit wir umgehen, was die Produktionen
unseres Daseins sind. Im diesem Sinne war ich sehr froh, neulich in Wien
in der Akademie der Wissenschaften den Aushang eines Dissertationsstipendiums
zu sehen, das der Forschung galt: wie hängt die altorientalische
Musiktherapie der Turk Völker mit unserer heutigen Musiktherapie
zusammen.
Es hat mich sehr berührt, dass die Wissenschaftlerin von Klagenfurt
nach Salzburg zu Prof. Roscher gewechselt ist, um hier diesem Thema nachzugehen.
Das ist ein Stück des Weges, den wir als Kunstuniversität zu
gehen haben werden – ob wir wollen oder nicht.
Wir können uns dieser Globalität nicht verschließen, die
schon dann beginnt, wenn sich ein hiesiger Instrumentallehrer mit der
Frage auseinandersetzen muss, wie seine südkoreanische Schülerin
eigentlich ein Schubertlied verstehen kann, um es später einmal interpretieren
zu können.
Wir sind schon mitten drin in der kulturellen Reflektion der Kunst, die
im übrigen die Künstler immer beschäftigt hat, nehmen sie
nur einen Blick in die europäische Malereigeschichte des vergangenen
Jahrhunderts.Nur dieser Blick, nur diese Haltung führt uns weg von
den tumben missionarischen Behauptungen der eigenen Kulturbotschaft in
der Musik, nur dieser Blick macht uns zugleich genauer im Blick auf die
eigenen Kulturbotschaften der Musik.
Er öffnet uns für die Vielfalt globaler Anthropologie und Kosmologie,
auch in den Sprachformen des ästhetischen. In diesem Sinne wünsche
ich dem Symposium eine ebenso gut wissenschaftliche wie künstlerische
Erkenntnisarbeit, ebenso eine Arbeit, die uns mit dem andersartigen versöhnt
und uns in humaner Einsichtsfähigkeit friedlicher macht, dem befürchteten
Clash of Civilsations tätig entgegenzutreten – in unserer Kultur
ebenso wie auch draußen.
So ist auch dieses Symposium hoffentlich ein Beitrag zur Kulturarbeit
des neuen Millenniums.
Ich wünsche Ihnen dazu alles erdenklich Gute und Fruchtbare.
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