Meine
sehr geehrten Damen und Herrn, verehrtes Publikum der MOZARTWOCHE Salzburg
Ein junger Mann hat sich vor 265 Jahren von Augsburg nach Salzburg aufgemacht,
um hier an der Universität der Benediktiner Philosophie zu studieren.
Ästhetik – so würden wir heute sagen.
Er war auch Violinist und bekam - vermutlich zum Studierende – in
Salzburg ein Anstellung als Musiker und Kammerdiener. Zehn Jahre später
heiratet er die siebenundzwanzigjährige Anna Maria Pertl aus St.
Gilgen.
Neun Jahre später kommt das siebente Kind beider auf die Welt und
überlebt neben der fünf Jahre älteren Schwester: die Eltern
taufen es auf den Namen Johannes Chrysostomus Wolfgang Theophilus.
Im gleichen Jahr 1756 gibt der Vater – Leopold Mozart - seine Violinschule
in Salzburg heraus, die für die kommenden Jahrzehnte seinen eigenständigen,
beachtlichen Ruf als Musiklehrer begründen wird.
Wir sind heute am Vorabend des Geburtstages jenes Wolfgang Amadeus Mozart,
der als Sohn der Stadt Salzburg zählt und dessen Namen auch unser
8. Internationaler Mozart – Wettbewerb trägt.
Mozart verlässt aber – inzwischen selber angestellter Musiker
beim Fürsterzbischof von Salzburg – im Jahr 1781 den Dienst
und bleibt fortan in Wien - „ für mein Metier der beste Ort
der Welt“.
In Salzburg besinnt man sich knapp sechzig Jahre später – Mozart
ist schon lange verstorben, doch seine Witwe lebt in Salzburg –
des „Wiener Musikers“. Man beginnt unter seinem Namen und
seinem jetzt errichteten Denkmal das Musikleben in Salzburg von bürgerlicher
Seite aus neu aufzubauen. Es entstehen eine Musikschule und zwanzig Jahre
später ein Trägerverein, die beide heute als Universität
Mozarteum und als Internationale Stiftung Mozarteum weltbekannt sind.
Auch die Stadt Salzburg wird nach und nach, vor allem durch die Festspiele,
hier das folgenreiche Wirken des Mozarteum-Schulleiters Prof. Hans Paumgartner,
des Salzburger Dirigenten Herbert von Karajan, zuvor Hugo von Hofmannsthal
und Max Reinhardt, weltbekannt.
Die kleine Stadt Salzburg am Rand der Alpen erwirbt sich also neben Berlin,
New York, Paris, London und Wien den Welt-Ruf einer Musikstadt.
Mozartgemeinden entstehen in aller Welt. Studierende aus aller Welt kommen
nach Salzburg.
Einhundertsechzig Jahre bürgerschaftliches Engagement und vorausschauende
Kulturpolitik haben dies aus Salzburg gemacht: eine der bekanntesten Musikorte
der Welt.
In diesem Erbe stehen wir. Es ist die Verbindung aus künstlerischer
Gestaltungskraft und dem Bürgerwillen, dafür in dieser Stadt
Mittel und Raum zu schaffen.
Meine Damen und Herren, heute sind wir hier, um die Preisträger des
8. Internationalen Mozartwettbewerbs zu hören.
Der Internationale Mozartwettbewerb hat 25 Jurymitglieder für zwei
Wochen nach Salzburg gebracht. Sie tragen als Künstler, Theaterleiter,
Lehrende oder Stiftungsvertreter ihre Eindrücke von der Musikstadt
Salzburg an Kulturschaltpunkte ihrer Länder zurück: nach Russland,
Portugal, Frankreich, Japan, Italien, Spanien, Canada, USA, Ungarn, Bulgarien
und Deutschland.
Der Wettbewerb trägt auch seit 20 Jahren an die Hochschulen Welt,
in die internationalen Musikzeitschriften und an die Kulturschaltstellen
die musikalische Kompetenz dieser Stadt.
So auch diesmal wieder zwei Jahre im Voraus die Botschaft an die künstlerische
Welt: dass man sich hier in Salzburg 2002 erneut versammelt, um die besten
jungen Sänger und Sängerinnen, Pianistinnen und Pianisten, Geigerinnen
und Geiger für die Mozartinterpretation zu finden, ebenso junge Komponistinnen
und Komponisten, die sich mit dem Werk Mozarts auseinandersetzen.
142 junge Interpretinnen und Interpreten aus 31 Nationen sind für
2 Wochen nach Salzburg gekommen. Sie vertrauen der Bedeutung dieses Rufs.
Sie kommen, um sich hier zu zeigen und zu messen. Sie kommen als junge
Künstler oft erstmals in die Musikstadt Salzburg.
Sie sind sämtlich erhebliche musikalische Begabungen und werden künftig
als Künstler ihre Eindrücke von der Musikstadt Salzburg weiter
in die Welt hinaus tragen. Sie haben sich zudem einem Werk gestellt, das
sich inzwischen mit dieser Stadt verbindet, und heute als ein besonderes
neben den Standartanforderungen für das Repertoire internationaler
Wettbewerbe steht.
Diese Leistung des Internationalen MOZART Wettbewerbs dient also gleichermassen
der Mozartpflege weltweit - wie auch dem Ruf Salzburgs als lebendige Musikstadt.
Dafür nehmen wir als Universität Mozarteum Anstrengungen und
Leistungen auf uns, die auch für Stadt und Land von weitreichender
Bedeutung sind.
Wir wissen natürlich alle, dass der Umsatz, den man mit der Mozartkugel
in Österreich erzielt, weit die Einnahmen übersteigt, die Theater-
und Konzertsäle mit Mozartwerken einspielen.
Doch wir wissen auch, dass ohne Mozart und die Musik und ohne die Pflege
und Förderung der Kunst hier nichts von alledem wäre, wovon
die Stadt und das Land heute im Ruf und Einkommen besonders leben.
Wir danken es einem Komponisten und Klaviervirtuosen der vor kapp 250
Jahren hier geboren wurde. Wir danken Salzburg, so schrieb mir mein Gast,
der Vizerektor des Chinesischen Konservatoriums in Peking, gestern ins
Gästebuch der Universität, den Weltkünstler Wolfgang Amadeus
Mozart.
Aber wir danken es ebenso der Hingabe vieler Künstler an sein Werk.
Wir danken es auch der vielfachen Einsicht, der Liebe und der tatkräftigen
Unterstützung vieler, dass wir die Künste, insbesondere die
Musik, als eine wirkliche Lebenskraft unseres menschlichen Daseins empfinden.
In diesem Sinne, verehrte Anwesende, möchte ich als Rektor der Universität
und als Präsident des Zentralausschusses des Wettbewerbs Sie als
Publikum dieses Preisträgerkonzerts herzlich begrüssen.
( Der 9. Internationale Mozart Wettbewerb wird auf Veranlassung von Dr.
Roland Haas erneut im August 2006, also während der Zeit der Internationalen
Festspiele, in Salzburg ausgertagen, seine Abschlussveranstaltung ist
Teil der Festspiele. Damit debuttieren die Preiseträger zugleich
und erstmals in einem Konzert der Internationalen Salzburger Festspiele.)
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